ÖDP stellt EU- Experten an Spitze der Europaliste

Die Liste der ÖDP zur Europawahl im Mai 2014 wurde von Prof. Dr. Klaus Buchner angeführt. Er ist Atomphysiker und hat 2009 mit Teilerfolgen gegen den EU- Vertrag von Lissabon geklagt. Er besitzt daher viel EU- Detailwissen und wird so eine wesentliche Bereicherung des Europa-Parlamentes sein. Ein herzliches Danke an alle Wählerinnen und Wähler, die mit ihrer Stimme Dr. Buchner im Mai 2014 in das EU- Parlament gebracht haben, ÖDP Bergisches Land

Dienstag, 12. April 2011

Informationen des Atomphysikers Prof. Dr. Klaus Buchner (ÖDP) zur Atomenergie

1. Informationen zum Thema Atomenergie

1.1 Beitrag von Professor Dr. Klaus Buchner, Kernphysiker und ehemaliger Bundesvorsitzender der ÖDP Atomausstieg – sofort !


Atomkraft tötet nicht nur in Tschernobyl und Fukushima. Überall in der Welt erkranken in der Umgebung von Kernkraftwerken Menschen durch die Radioaktivität an Krebs. Besonders hohe Opferzahlen fordert die Nutzung der Atomenergie in den Gebieten, wo Uran abgebaut wird. Und für die Endlagerung des Atommülls gibt noch nirgends eine verantwortbare Lösung. Verfasst im Aprl 2011 von Von Prof. Dr. Klaus Buchner, Atomphysiker und Sprecher der Bundesprogrammkommission der ÖDP.


Wie schnell können wir hier in Deutschland aus dieser Technik aussteigen? Zur Zeit kommen 22,4 Prozent des deutschen Stroms aus 17 AKW-Blöcken. Davon könnten nicht nur die sieben ältesten Meiler, sondern sogar neun sofort ohne Komfortverlust und ohne irgend welche weitere Maßnahmen stillgelegt werden. Das haben Rechnungen des Umweltbundesamtes ergeben (1).
Bei genauerem Hinblicken ergibt sich sogar ein noch günstigeres Bild. Denn wir haben in Deutschland weit mehr Kraftwerke als wir brauchen. Deshalb wird so viel Strom exportiert, wie zwei große AKW erzeugen. Trotzdem waren die Leitungen in den letzten Jahren so sehr mit Strom verstopft, dass auf der Leipziger Strombörse zeitweise sogar Geld an jeden bezahlt wurde, der Strom abnahm.

In Zahlen: Der höchste Verbrauch in den vergangenen 10 Jahren war 80 GW (Jahreshöchstlast) (2)Die Kohle-, Gas- und Ölkraftwerke haben zusammen eine Leistung von 66 GW (3), die AKW tragen 21,5 GW bei, die sieben ältesten AKW Neckarwestheim 1, Isar 1, Philippsburg 1, Biblis A und B, Unterweser und Brunsbüttel zusammen mit den besonders gefährlichen Meilern Krümmel und Neckarwestheim 2 nur 10,24 GW. In dieser Aufstellung sind die Erneuerbaren Energien noch nicht berücksichtigt, die zusammen 45,5 GW liefern können – falls genügend Wind weht und gleichzeitig die Sonne scheint. Weil das nur ganz selten der Fall ist, ist die tatsächlich erzeugte Leistung natürlich meist wesentlich kleiner. Um die Schwankungen im Wetter auszugleichen, gibt es aber im heutigen Stromnetz genügend Möglichkeiten, z. B. mit Pumpspeicherwerken oder Gaskraftwerken, die in sehr kurzer Zeit von Null auf Volllast hochgefahren werden können. Wie bereits erwähnt, kann man im heutigen Netz auf die genannten neun AKW sofort verzichten. Als realistisches Ziel sollte man einen vollständigen Ausstieg aus der Atomenergie in vier bis fünf Jahren anstreben. Dazu muss also der Strom der übrigen acht AKW mit einer Leistung von rund 11,3 GW ersetzt werden. Das ist mit den Erneuerbaren Energien kein Problem, insbesondere, wenn man ihren rasanten Ausbau berücksichtigt:

Die Windkraft liefert rund 8 Prozent des deutschen Stromverbrauchs. Ihr Anteil könnte schnell gesteigert werden, wenn die Genehmigungsverfahren für die Off-Shore Windparks voran kämen. (Jetzige Planung: 10 GW bis zum Jahr 2020.) Off-Shore- Windräder stehen weit draußen im Meer, um vom dort starken Wind zu profitieren. Dabei müssen die Windräder weit genug von der Küste entfernt errichtet werden, damit die Schäden am Ökosystem gering bleiben. Auch durch die Ersetzung von alten Windrädern durch neue mit höherer Leistung kann viel Energie gewonnen werden.

Die Sonnenenergie liefert heute nur etwa 2 Prozent unseres Stromerzeugung, genauer: 12 Mrd. kWh. Im Jahr 2010 betrug der Zuwachs 82 Prozent.

Aus Biomasse (davon 36 Prozent feste Stoffe, vor allem Holz und 38 Prozet Biogas) wurden 2010 immerhin 6 Prozent des Stroms (brutto) erzeugt, mit einer jährlichen Zuwachsrate von 19 Prozent. Die meisten Biomassekraftwerke haben den Vorteil, dass sie ihre Leistung schnell hoch fahren können, wenn sie gebraucht wird. Damit können sie als Spitzenlastkraftwerke eingesetzt werden, oder auch dann, wenn kein Solar- und Windstrom zur Verfügung steht. Allerdings darf aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen der Ausbau von Biomasse, die auf unseren Äckern angepflanzt wird, nicht so weiter gehen wie bisher.


Es ist also möglich, in etwa 4 bis 5 Jahren aus Windkraft, Solarenergie und Biomasse soviel Strom zusätzlich zu erzeugen, wie durch die Abschaltung aller AKW benötigt wird. Das Problem ist daher nicht der Ausbau der Erneuerbaren Energien, sondern der Umbau des Stromnetzes und der Bau von Kraftwerken, die genügend Strom zur Verfügung stellen, wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint.
Für diesen Aus- und Umbau unserer Stromnetze müssen rund 3.600 Kilometer neue Höchstspannungsleitungen errichtet werden. Da in kurzer Zeit nicht genügend Stromspeicher zur Verfügung stehen werden, müssen außerdem Kraftwerke gebaut werden, die den nötigen Strom liefern, wenn die neu gebauten Fotovoltaikanlagen und die Windräder ausfallen. (Für die Stabilität des jetzigen Netzes ist bereits gesorgt.) Am schnellsten lässt sich das mit Gaskraftwerken erreichen, die verhältnismäßig billig sind und einen hohen Wirkungsgrad besitzen. Auch wenn Erdgas zu schade ist, um einfach verbrannt zu werden, sind neue Gaskraftwerke nicht zu vermeiden, bis andere Möglichkeiten verwirklicht werden, um unser Stromnetz zuverlässig zu stabilisieren. Dabei werden vermutlich chemische und thermische Energiespeicher eine wichtige Rolle spielen.


Wer soll in den nächsten 4 bis 5 Jahren die 15 bis 25 Milliarden Euro für diesen Umbau des Stromnetzes bezahlen? Zum größten Teil natürlich die Atomwirtschaft, die bisher mit etwa 4 Milliarden Euro jährlich durch Steuerersparnisse subventioniert wurde. Davon entfallen allein auf die Brennelementsteuer mehr als 2 Milliarden. Die restlichen Investitionen sollten durch mäßige Erhöhungen des Strompreises finanziert werden. Denn nur so kann die weit verbreitete Stromverschwendung gebremst werden.


Bisher wurden die Möglichkeiten des Stromsparens noch nicht berücksichtigt. Dieses Potenzial ist enorm: Allein durch bessere Stand-By Schaltungen, die nur wenige Euro mehr kosten, ließen sich zwei AKW abschalten. Die Umstellung aller Elektromotoren in der Industrie auf die neueste Technik würde sogar 10 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms einsparen. Es gibt noch zahlreiche weitere Möglichkeiten, z.B. bei den elektrischen Heizungen. Hier ist die Bundesregierung gefordert, sinnlosen Stromverbrauch einzudämmen.


Diese Überlegungen setzen voraus, dass wir mit dem Atomausstieg, insbesondere mit dem Umbau des Stromnetzes sofort beginnen. Dieser Umbau wurde weder von Rot-Grün, noch von einer der nachfolgenden Bundesregierungen überhaupt ins Auge gefasst. Deshalb fordert die ÖDP: Atomausstieg sofort mit allen dafür nötigen Maßnahmen! (3/2011)

(1) Siehe Süddeutsche Zeitung vom 17. März 2011, S. 6
(2) Umweltbundesamt
(3) Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.


1.2 Infopaket der ÖDP


Hintergrund-Informationen der Ökologisch-Demokratischen Partei zum Themenkomplex
Atomenergie
Inhaltsverzeichnis:

--Vorwort

--Argumentationshilfe zur aktuellen Diskussion über Atomkraft

--Parteispenden von Atomenergie-Unternehmen

--Liste der weltweit schwersten Unfälle in kerntechnischen Anlagen

--Zusammenfassung und Schlussfolgerung der Studie des FÖS zur Vergleichbarkeit von Strom, Kohle und Atom

--Dossier Begriffe: Lexikon einige Begriffe, die in Berichten über Unfälle in Kernkraftwerken vorkommen

--Linkhinweise intern / Linkhinweise extern

--Konstruktionsbedingte Mängel in den AKW Biblis, Philippsburg und Neckarwestheim


Vorwort


Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Berlin, Würzburg, Mainz am 16. März 2011 die Ereignisse im japanischen Atomkraftwerk Fukushima überschlagen sich, zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird die Atomkatastrophe von Japan fast so gravierend eingeschätzt wie der Atomunfall von Tschernobyl. Der Unfall von Tschernobyl jährt sich übrigens in diesem Jahr zum 25. Mal. Anlässlich dieser tragischen Ereignisse müssen wir als ÖDP nun aktiv werden, um die Bürgerinnen und Bürger über die Gefahren der Atomenergie zu informieren. Deshalb haben wir für Sie ein Paket mit Hintergrundinformationen zusammengestellt. Schließlich gilt es, auch den engstirnigsten Atomkraftbefürworter zu überzeugen, wie gefährlich diese Technik für die Menschheit ist.
Falls noch Fragen auftauchen, so zögern Sie nicht, uns anzurufen oder uns zu mailen. Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem wir alle gemeinsam auf die Straße gehen müssen, um für das gute Programm der ÖDP zu werben.
Herzliche Grüße schickt Ihnen Florence von Bodisco, Bundesgeschäftsführerin der ÖDP
P. S. Wir möchten uns ganz herzlich bei Prof. Dr. Klaus Buchner für die schnelle und gute Zuarbeit bedanken.
Kontakt: Bundespressestelle: Florence von Bodisco, presse@oedp.de ; Tel. 030 49854050.
Generalsekretär: Dr. Claudius Moseler, claudius.moseler@oedp.de ; Tel. 06131 679820.


Argumentationshilfe zur aktuellen Diskussion über Atomkraft


1. Längere Laufzeiten in deutschen Atomkraftwerken machen den Strom nicht billiger, da die Preise an der Strombörse gehandelt werden. Zwar wird Strom in den abgeschriebenen Atommeilern tatsächlich billiger (für die Betreiber) produziert, das wird aber auf keinen Fall an die Kunden weitergegeben, sondern fließt in die Konzerngewinne.


2. Der Uranabbau hat bisher bereits unzählige Todesopfer gefordert. Angehörige unterdrückter Völker (Tibeter in China, Indianer, Aborigines usw.) sterben in großer Zahl durch radioaktiven Staub und Verseuchung des Grundwassers durch die Uranminen.


3. Deutschland als größte europäische Industrienation sollte vorbildlich handeln und rasch aus der Atomenergie aussteigen. Wie schon bei der Solarenergie orientieren sich andere Länder an der Energiepolitik Deutschlands. Denn es gilt:
Nicht in der Atomenergie sondern im Ausbau Erneuerbarer Energien und der Entwicklung der Einsparmöglichkeiten liegen die lohnenden Arbeitsplätze der Zukunft und die Vorteile des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Zur Verdeutlichung:
In einem deutschen AKW werden maximal 400 Menschen beschäftigt. Bei den 17 AKW sind das maximal 6.800 Arbeitsplätze. Im Bereich Erneuerbare Energie arbeiteten im Jahr 2010 bereits über 340.000 Menschen, bis zum Jahr 2020 soll die Zahl auf eine halbe Million steigen.


4. Atomstrom ist nicht billiger als Strom aus alternativen Energien. Atomkraft wird jährlich mit 2,8 Milliarden Euro subventioniert. Denn im Gegensatz zu Öl und Kohle werden Uran und Plutonium nicht besteuert. Es gibt keine volle Haftpflichtversicherung und die Atomkonzerne müssen keine ausreichenden und sicheren Rücklagen bilden für die Entsorgung des Atommülls. Gegenwärtig ist nur ein Bruchteil der zu erwartenden Schäden bei einem Super-GAU durch Versicherungen abgedeckt, nämlich weniger als ein Promille. Wenn das volle Risiko abgesichert würde, wäre die Versicherung unbezahlbar.


5. Atomkraft kann leicht durch Erneuerbare Energien ersetzt werden. In manchen Bundesländern, z. B. Sachsen-Anhalt werden heute schon über 30 Prozent des Stroms mit Windkraft produziert. Atomkraft dagegen produziert nur 28 Prozent der Strommenge. Zur Ergänzung der Solar- und Windenergie können Gas-, Biomasse- und Wellenkraftwerke eingesetzt werden. Bei einem hohen Anteil an Wind- und Solarenergie braucht man einen Ausgleich, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint. Dafür gibt es viele technische Lösungen:
Kraftwerke mit heimischer Biomasse, Geothermie, Wasserkraft aus Norwegen in einem europäischen Gleichstrom-Verbundnetz.


6. Dadurch, dass Deutschland gegenwärtig Strom exportiert und die Erneuerbaren Energien immer besser, leistungsfähiger und billiger werden, muss niemand Angst haben, dass ohne Atomkraft die Lichter ausgehen oder dass Atomstrom importiert werden muss. Im Gegenteil: Wegen der begrenzten Öl- und Uranvorräte ist der Ausbau der Erneuerbaren Energien der einzige Weg, auch in Zukunft bezahlbare Energie zur Verfügung zu haben.


7. Atomkraft ist gefährlich für Mensch und Umwelt. Nicht nur der Super- GAU in Tschernobyl hat die Gefährlichkeit der Atomkraft gezeigt, sondern auch kleinere Störfälle wie in Brunsbüttel oder Krümmel. Außerdem emittieren Atomkraftwerke auch im normalen Betriebszustand radioaktive Strahlung. Die Häufigkeit von Krebserkrankungen, insbesondere bei Kindern, in der Umgebung von Atomkraftwerken ist signifikant höher als in Gebieten ohne AKW in der Nähe.


8. Die Technik kann so sicher gar nicht sein. Überall, wo Menschen arbeiten, werden auch Fehler gemacht. Die Auswirkungen dieser Fehler können den Tod Tausender bedeuten.


9. Weiterhin ungelöst ist das Problem mit dem Atommüll. Am Versuchsendlager Asse in Niedersachsen sollte erprobt werden, wie der Müll sicher entsorgt werden kann. Schon nach 30 Jahren läuft nun atomare Lauge aus und gefährdet Umwelt und Trinkwasser. Atommüll sollte eigentlich mehrere Millionen Jahre sicher lagern. Wie kann das bewerkstelligt werden, wenn man noch nicht mal 30 Jahre schafft? Hätte es in der letzten Eiszeit schon Atommüll gegeben, müssten wir heute noch über die Abfälle wachen. Bis heute wurden alleine in Deutschland 12.500.000 Kilogramm tödlich strahlender Kernbrennstoff erzeugt.


10. Atomkraft ist keine Zukunftstechnologie. Schon in wenigen Jahrzehnten wird es keine abbauwürdigen Uranvorräte mehr geben; spätestens dann muss auf alternative Energien ausgewichen werden. Außerdem werden weltweit nur 3 Prozent des Strombedarfs mit Atomenergie gedeckt. (fb-9/10)


Parteispenden von Atomenergie-Unternehmen


Um Argumente in der gegenwärtigen Atomdiskussion richtig einzuordnen, lohnt sich ein Blick darauf, wie viel Geld Atomkraftwerksbetreiber den Parteien zukommen lassen. Entnommen den Rechenschaftsberichten der Parteien, veröffentlicht von der Bundestagsverwaltung.


Im Jahr 2008

FDP EON 50.000 Euro
CDU EON 50.000 Euro
CSU EON 50.000 Euro
SPD EON 50.000 Euro


Im Jahr 2009

FDP EON 50.000 Euro
CDU EON 50.000 Euro
CDU Jürgen Großmann (Vorstandsvorsitzender RWE) 15.600 Euro
CSU EON 50.000 Euro
SPD EON 50.000 Euro
SPD RWE 26.910 Euro


Liste der weltweit schwersten Unfälle in kerntechnischen Anlagen(von Prof. Buchner)
 

8. 10. 1957 Windscale (später in Sellafield umbenannt): Reaktorbrand mit beginnender
Kernschmelze. Rund 1000 Menschen sterben. Viele von ihnen waren Arbeiter einer Fremdfirma. Sie wurden nicht gewarnt und arbeiteten weiter auf dem Gelände. – Im Jahr 1957 gab es in Windscale weitere Unfälle, die geheim gehalten wurden.
Jahreswende 1957/58: Im russischen Majak (Tscheljabinsk-40 bei Kyschtym im Südural) kam es in einem Lager für radioaktiven Müll zu einer Explosion. Nach offiziellen Angaben, die nach dem Ende der Sowjetunion frei gegeben wurden, wurden 10.000 Menschen umgesiedelt; 1.000 Menschen starben.
 

21. 1. 1969 Lucens/Schweiz: Kernschmelze. Da dieses AKW unterirdisch war, kamen zum Glück kaum Menschen zu Schaden.
 

30./31. 12. 1978 Bjelojarsk (bei der Stadt Swerdlowsk) Russland: Eine Kurzschluss verursacht einen Brand in der Maschinenhalle des AKW, in dem zwei Reaktoren vom Tschernobyl-Typ arbeiten. Durch die Hitze des Feuers stürzt die Decke über einem der beiden Generatoren ein. Dadurch und durch das Feuer entstehen weitere Kurzschlüsse, so dass das automatische Löschsystem und das Licht nicht mehr funktionieren. Bei einer Außentemperatur von –50 °C vereist auch der zweite Generator trotz des Brands. In der Steuerwarte versuchen die Techniker mit Fackeln und Atemschutzgeräten die Reaktoren unter Kontrolle zu halten. Schließlich gelingt es, das Feuer zu löschen und den vereisten Generator wieder zum Laufen zu bringen. Dadurch kann der Strom für die Nachkühlung des ersten Reaktors erzeugt und so eine doppelte Kernschmelze vermieden werden. Die Zahl der Opfer wurde nie bekannt gegeben.


28. 3. 1979 Harrisburg (Three Miles Island)/USA: Durch eine Reihe technischer Versagen und menschlicher Fehlentscheidungen verdampfte radioaktives Kühlwasser. Ein Teil des Reaktor-Kerns lag frei und schmolz. Etwa eine Million Liter radioaktives Wasser wurde ohne Warnung in den nahegelegenen Fluss geleitet. Dazu Dr. Bernd Franke, geschäftsführender Direktor des Institute for Energy and Enviromental Research (IEER): „Die Menschen waren höheren Dosen (an Radioaktivität) ausgesetzt, als zugegeben wurde.“ Und Lane Lee, eine Anwohnerin, gab zu Protokoll: „Die Menschen sterben hier wie die Fliegen. Die Frage ist nicht mehr, ob das Kraftwerk etwas damit zu tun hat. Jetzt geht es nur noch darum, wen es als nächsten erwischt und wann.“ Auch Pflanzen und Tiere in den umliegenden Bauernhöfen waren betroffen. Küken schlüpften nicht mehr aus, bei den Rindern häuften sich Missbildungen und Totgeburten. Der bekannte Strahlenbiologe Prof. Ernest Sternglass stellte fest, dass in den Jahren 1979 und 1980 Spitzenwerte bei der Säuglingssterblichkeit auftraten, die in späteren Statistiken nicht mehr verzeichnet waren. Einer eidesstattlichen Aussage zufolge hat Präsident Jimmy Carter erreicht, dass die alarmierendsten Stellen aus dem Untersuchungsbericht zu dem Unfall gestrichen wurden, weil sonst die zivile Atomindustrie der USA ruiniert gewesen wäre.


26. 4. 1986 Tschernobyl/Ukraine: Bei einem Testlauf mit geringer Reaktorleistung kam es in Block 4 des AKW zu schweren Bedienungsfehlern, als eine Reihe von Sicherungseinrichtungen abgeschaltet wurden. Innerhalb weniger Sekunden stieg die Reaktorleistung auf das Hundertfache des Normalwerts an. Der Grafit , der die Brennstäbe des Reaktors umgab, fing zu brennen an, und an einigen Stellen schmolz das Uran. Es kam mit dem Kühlwasser in Berührung. Dadurch wurde eine heftige Dampfexplosion verursacht, die das 1.000 Tonnen schwere Dach absprengte. Dann reagierte das Kühlwasser mit dem Grafitblock des Reaktors und bildete Wasserstoff. Dieser explodierte wenig später und schleuderte die radioaktiven Trümmer bis zu 1.500 m in die Höhe. Der Grafitblock des Reaktors brannte 10 Tage. Von Hubschraubern aus wurden etwa 5.000 Tonnen Bor (zum Stoppen der Kettenreaktion), Blei und anderes Material (zur Abschirmung der Strahlung) abgeworfen. Insgesamt wurden etwa 600.000 bis 800.000 Männer 1), oft Wehrpflichtige, zur Eindämmung der Katastrophe eingesetzt. Nur wenige von ihnen blieben gesund. Sie erhielten keine angemessene medizinische Versorgung; nach einer Anweisung des Gesundheitsministeriums der UdSSR durfte die Diagnose Strahlenkrankheit praktisch nie gestellt werden. Etwa 18% dieser Männer begingen Selbstmord. Um Tschernobyl wurde eine Sperrzone mit 30 km Radius eingerichtet. 135.000 Menschen wurden evakuiert. Trotzdem erkrankten an den Folgen mehrere Hunderttausend Personen schwer, wie sich aus den Akten des Ukrainischen Tschernoblyministeriums und aus den Daten der Krankenhäuser in Gomel ergibt. Nach WHO-Angaben verursachte der Tschernobyl-Unfall über 120.000 zusätzliche Krebstote (1). Schätzungen zufolge ging die Hälfte der freigesetzten Radioaktivität in einem Umkreis von 35 km um das AKW nieder. Die andere Hälfte verteilte sich auf 20 Länder. Heute noch müssen in einigen Gegenden Deutschlands Pilze und Wildtiere vor dem Verzehr amtlich auf Radioaktivität überprüft werden.


12. 9. 1986 Geesthacht/Schleswig-Holstein: Mehrere Zeugen berichten von einer Explosion im Kernforschungszentrum Geesthacht an der Elbe (neben dem AKW Krümmel). Dabei wurden Berichten zufolge große Mengen an winzigen radioaktiven Kügelchen aus Plutonium, Americium, Curium und anderen Stoffen in die Umgebung geschleudert, die man später in der Elbmarsch gefunden hat. Dort entwickelte sich die weltgrößte Ansammlung an Fällen von akuter Leukämie. Im Umkreis von gut 5 km von den Atomanlagen erkrankten seit 1989 allein 19 Kinder an dieser Krankheit (2), (3) (5), aber auch Jugendliche und Erwachsene. Die Kügelchen sollten vermutlich in einem neu entwickelten Reaktortyp eingesetzt werden (4).


6. 4. 1993 Tomsk (bei Sewersk) Russland: In der Wiederaufbereitungsanlage wird die Salpetersäure zu heiß, in der die Brennelemente aufgelöst werden. Es entsteht eine unkontrollierte Kettenreaktion. 500 g Plutonium werden als Feinststaub freigesetzt. Bereits 30 Tausendstel eines Gramms von diesem Stoff wirken tödlich.


30. 9. 1999 Tokaimura/Japan: In einer Brennelementefabrik kam es zu einer unkontrollierten Kettenreaktion, weil der Brennstoff für einen Forschungsreaktor mit dem für ein AKW verwechselt wurde. Die Kettenreaktion konnte erst nach einem Tag gestoppt werden. Wie viele Menschen verstrahlt wurden und starben, ist unbekannt.


25. 8. 2008 Fleurus/Belgien: Beim Umfüllen von flüssigem radioaktiven Abfall wurden etwa 45.000.000.000 Bq (siehe „Radioaktivität“ im „Dossier“) an radioaktivem Jod 131 über den Kamin freigesetzt. Erst 6 Tage danach wurden die Anwohner von der Polizei über Lautsprecher aufgefordert, kein Wasser, Obst, Gemüse oder Milch aus der Umgebung zu verwenden. (6)
Quellen: Das Greenpeace Handbuch des Atomzeitalters, Knaur 1989

(1) Wikipedia „Liquidator“
(2) Schmitz-Feuerhake, Dieckmann, Dannheim, Heimers, Schröder: Leukämie und Radioaktivitätsleckagen beim Kernkraftwerk Krümmel, Universität Bremen, Informationen zu Energie und Umwelt Teil A Nr. 28 (1998)
(3) M. Demuth: Leukämiemorbilität bei Kindern in der direkten Umgebung des Kernkraftwerkes Krümmel, Kassel 1991
(4) Akzente: Radioaktivität in Elbmarsch und Elbgeest, Untersuchung der ARGE PhAM im Auftrag der IPPNW, Berlin 2001
(5) Hamburger Abendblatt, 20. April 2009, zu finden in Wikipedia unter „Leukämie Elbmarsch“
(6) Wikipedia: Liste von Störfällen in europäischen kerntechnischen Anlagen

Zusammenfassung und Schlussfolgerung der Studie des FÖS zur Vergleichbarkeit von Strom, Kohle und Atom

Atomstrom ist für die Bürger der teuerste Strom überhaupt. Er rechnet sich allein für die AKW-Betreiber E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW, die mit abgeschriebenen Meilern riesige Gewinne erwirtschaften. Der Gesellschaft bzw. den Bundesbürgern kommt die Atomenergienutzung teuer zu stehen. Die Förderung der Atomenergie ist mit 4,3 Cent pro Kilowattstunde im Durchschnitt des betrachteten Zeitraums seit den 1950er Jahren sehr hoch. Die Umlage zur Förderung der Erneuerbaren Energien beträgt derzeit etwa 2 Ct/kWh. Die geplante Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke wird die Kosten der Atomkraft nochmals deutlich erhöhen. Der Staat bzw. die deutschen Steuerzahler haben den Bau der heute noch laufenden 17 AKW durch Subventionen bereits mehrfach aus eigener Tasche bezahlt. Eine vorzeitige Abschaltung aller AKW bis 2015 wäre im Sinne der Bürger und stellt auch keinen Eingriff in die Eigentumsrechte der Betreiber dar. Die bis heute andauernde massive Subventionierung der Atomkraft behindert umweltfreundliche Innovationen wie z.B. den Ausbau der Erneuerbaren Energien (Forschung, Netzinfrastruktur, Marktverzerrung etc.).
Die Greenpeace-Subventionsstudie zeigt die erheblichen Marktverzerrungen im deutschen Energiemarkt durch staatliche Subventionierung, die sich auf die Wettbewerbsfähigkeit der verschiedenen Energieträger erheblich ausgewirkt hat und noch heute auswirkt. Atomenergie hat von Anfang an im Vergleich mit anderen Wirtschaftsbereichen immer eine Sonderrolle gespielt – gerade, was die finanziellen Begünstigungen durch den Staat angeht. Die massive Bevorzugung der Atomkraft muss offen gelegt und endgültig beendet werden. Fördermittel sollten nur noch in Zukunftstechnologien wie Erneuerbare Energien und eine effiziente Energienutzung verwendet werden.
Link zur vollständigen Energiestudie.


Dossier Begriffe: Lexikon einige Begriffe, die in Berichten über Unfälle in Kernkraftwerken vorkommen


Abschalten eines AKW: Zum Abschalten eines AKW muss man die Kettenreaktion stoppen. Hierfür fährt man die „Steuerstäbe“ ganz in den Bereich des Reaktors ein, in dem die Kettenreaktion stattfindet. Sie enthalten Materialien, die Neutronen absorbieren. Von den vollständig eingefahrenen Steuerstäben werden so viele Neutronen abgefangen, dass diese zum Erliegen kommt. Meist wird dem Kühlwasser dann auch noch Bor zugesetzt, das sicherstellt, dass die Kettenreaktion nicht wieder beginnt, wenn die Steuerstäbe ihre Position ändern. Durch die Kettenreaktion werden viele radioaktive Elemente erzeugt. Sie zerfallen auch, wenn die Kettenreaktion gestoppt ist und erzeugen Wärme. Unmittelbar nach der Abschaltung sind das 15 – 30% der (elektrischen) Leistung des Reaktors. Deshalb muss ein Reaktor auch nach der Abschaltung gekühlt werden. Die dazu nötige Energie wird dem Stromnetz entnommen. Fällt es aus irgendeinem Grund (Blitzschlag, Terroranschlag oder einfach ein technischer Defekt) aus, stehen Notstromdiesel zur Verfügung. Wenn die Notstrom-Versorgung nicht funktioniert, heizt sich das Uran im Reaktor auf hohe Temperaturen auf. Steigen sie auf über 2.200 °C, dann kommt es zur gefürchteten Kernschmelze.


AKW- Typen: Die wichtigsten Typen von Kernkraftwerken sind der Siedewasserreaktor und der


Druckwasserreaktor. Daneben gibt es noch weitere Typen wie den Hochtemperaturreaktor und den (schnellen) Brüter, die sich aber nicht durchsetzen konnten.


Atomkern Ein Atom besteht aus seinem Kern und Elektronen. Das sind kleine, elektrisch negativ geladene Teilchen außerhalb des Kerns. Würde man ein Atom so weit vergrößern, dass der Kölner Dom mit seinen Türmen hineinpasst, dann hätte der Atomkern nur die Größe einer Erbse. Dieser Kern besteht im wesentlichen aus positiv geladenen Teilchen, den Protonen, und ungeladenen Teilchen, den Neutronen. Weil die Atome normalerweise nach außen hin ungeladen sind, enthalten sie ebenso viele Protonen wie Elektronen. Die chemischen Eigenschaften eines Atoms werden durch die Elektronen bestimmt. Da deren Anzahl der Zahl der Protonen im Atomkern entspricht, kann man die chemischen Elemente einfach nach der Anzahl der Protonen klassifizieren. So enthält z.B. Wasserstoff ein Proton, Helium 2 usw. Die Zahl der Neutronen im Kern ist also für die chemischen Reaktionen unbedeutend; sie bestimmen aber z.B. die Stabilität des Atomkerns(Radioaktivität). Man sagt, ein Element (dessen Atomkern also eine bestimmte Anzahl von Protonen enthält) hat verschiedene Isotope, die sich durch die Zahl der Neutronen im Kern unterscheiden. Beim Wasserstoff sind 3 Isotope wichtig: Der „gewöhnliche“ Wasserstoff mit nur einem Proton und keinem Neutron, das Deuterium mit einem Proton und einem Neutron und das Tritium mit einem Proton und 2 Neutronen.


Uran enthält 92 Protonen. Uran 235 bedeutet z.B., dass sein Kern 235 Teilchen enthält, also 92 Protonen und 235 – 92 = 143 Neutronen. Bor absorbiert Neutronen und wird zur Steuerung der Kettenreaktion eingesetzt.


Dampfexplosion siehe Kernschmelze
 

Druckwasserreaktor Im Reaktordruckbehälter entstehen durch die Kettenreaktion hohe Temperaturen, z.B. 320 °C bei 160 Atmosphären Druck. Dadurch wird das Kühlwasser erhitzt, das bei diesen Bedingungen nicht verdampft. Es wird in Dampferzeuger geleitet, wo es Wasser aus einem zweiten Kreislauf verdampft. Dieser Dampf wird aus dem Sicherheitsbehälter heraus in die Maschinenhalle geführt, wo er die Turbine zur Stromerzeugung antreibt. Das Kühlwasser des Reaktors fließt aus dem Dampferzeuger zurück in das Reaktordruckgefäß („Primärkreislauf“).


Elektron siehe Atomkern
 

GAU / SuperGAU GAU heißt Größter Anzunehmender Unfall. Das ist ein Unfall, für den das AKW ausgelegt ist, und der folglich beherrschbar ist. Die deutschen AKW sind nicht für eine Kernschmelze ausgelegt; diese ist folglich kein GAU, sondern ein SuperGAU.


Isotop siehe Atomkern

 
Kernschmelze Wird das Uran im Reaktor auf mehr als 2.200 °C erhitzt (z.B. weil nach dem Abschalten die Kühlung ausfällt), so schmilzt es. Dann sammelt sich eine zähflüssige Substanz am Boden des Reaktordruckgefäßes. Dabei kann, aber muss nicht in jedem Fall, eine neue Kettenreaktion beginnen, die die Kernschmelze weiter aufheizt. Sie frisst sich nach etlichen Tagen durch den Stahl des Reaktordruckgefäßes und die darunter liegenden Teile des Gebäudes. Dadurch kann es zu einer weitläufigen Verseuchung des Bodens und des Trinkwassers kommen. Kommt die Kernschmelze mit Wasser, Beton o.ä. in Berührung, so explodiert das Wasser schlagartig. Es kommt zu einer sehr heftigen Explosion, der Dampfexplosion. In Tschernobyl sprengte eine Dampfexplosion das 1.000 Tonnen schwere Dach ab und schleuderte die radioaktiven Partikel hoch in die Luft. Wenn es zu einem Kernschmelzunfall kommt, so gibt es mit einiger Wahrscheinlichkeit auch eine Wasserstoffexplosion. Denn Wasserstoff entsteht in jedem Siedewasserreaktor beim Normalbetrieb, aber auch in Druckwasserreaktoren. Besonders heftig ist die Wasserstofferzeugung, wenn die Brennstäbe (die das Uran im Reaktor enthalten, und die außen vom Metall Zirkonium umgeben sind) auf mehr als 1.200 °C erhitzt werden und mit Wasser in Berührung kommen. In Tschernobyl und in Fukushima gab es sehr heftige Wasserstoffexplosionen; in Tschernobyl wurden dadurch die radioaktiven Teilchen 1,5 km hoch in die Luft geschleudert. Kettenreaktion Einige Atomkerne sind instabil (Radioaktivität). Sehr große Atomkerne, wie z.B. das Uran 235, können in zwei etwa gleich große Bruchstücke zerfallen und dabei noch ein bis drei Neutronen freisetzen. Wenn die Neutronen einen Kern treffen, zerfällt dieser ebenfalls und setzt neue Neutronen frei. Wenn im Schnitt nur 2 Neutronen auf einen Kern treffen, zerfällt im ersten Schritt ein Kern, im nächsten 2, im folgenden 4, dann 8 usw. Es entsteht eine Explosion, die in der Atombombe genutzt wird. Bei einem Kernreaktor muss man erreichen, dass im Mittel genau ein Neutron wieder einen Kern trifft. Dazu fängt man die überschüssigen Neutronen mit Steuerstäben weg. Je weiter diese in den Reaktorkern tauchen, desto mehr Neutronen werden absorbiert. Bei abgeschalteten Reaktoren (und oft auch bei Druckwasserreaktoren) setzt man dem Kühlwasser Bor zu, das ebenfalls Neutronen abfängt. So wird bei einem abgeschalteten Reaktor sichergestellt, dass es nicht wieder zu einer Kettenreaktion kommt.


Neutron siehe Atomkern
 

Plutonium ist ein künstlich erzeugtes Element. Es entsteht in Kernreaktoren aus Uran. Auch Plutonium kann für eine Kettenreaktion verwendet werden.


Proton siehe Atomkern
 

Radioaktivität Einige Atomkerne sind instabil; sie zerfallen nach einer bestimmten Zeit. Dabei geben sie entweder a- Teilchen (Atomkerne mit zwei Protonen und zwei Neutronen) ab, oder b- Teilchen ( Elektronen) oder g-Teilchen (Strahlung ähnlich der Röntgenstrahlung, aber energiereicher als diese). Einige Elemente setzen bei ihrem radioaktiven Zerfall auch Neutronen frei. Für die Radioaktivität gibt es unterschiedliche Angaben: Man kann sie durch die Zahl der Zerfälle pro Sekunde beschreiben. Die Maßeinheit dafür ist Bequerel (abgekürzt Bq). Hat also z.B. ein Objekt 1.000 Bq, so zerfallen in ihm jede Sekunde 1.000 Atomkerne. Diese Angabe sagt noch nichts über die biologische Wirkung der Strahlung aus. Sie wird in Sievert (abgekürzt Sv) gemessen. (Da die Einheit Sievert sehr groß ist, verwendet man meist Millisievert, abgekürzt mSv. 1 Sv = 1.000 mSv) Nach der Strahlenschutzverordnung soll eine Person nicht mehr als 1 mSv = 0,001 Sv im Jahr ausgesetzt sein. In den Nachrichten über Atomunfälle wird oft von Millisievert gesprochen, auch wenn Millisievert pro Stunde gemeint ist.


Reaktordruckbehälter Er enthält den Kern des Reaktors mit den Brennstäben, in dem die Kettenreaktion abläuft, durch die das Kühlwasser erhitzt wird. In seinem Inneren herrschen hohe Temperaturen und hoher Druck: Bei Siedewasserreaktoren etwa 70 Atmosphären, bei Druckwasserreaktoren ca. 160.


Reaktorgebäude Es umschließt den Sicherheitsbehälter mit dem eigentlichen Reaktor und den wichtigsten Hilfseinrichtungen. Das Reaktorgebäude soll sie gegen Flugzeugabstürze, Terroranschläge und andere Einwirkungen schützen. Bei den neueren deutschen AKW hat er die Gestalt einer Halbkugel oder eines Zylinders.
Sicherheitsbehälter (=Containment) Er umschließt den Reaktordruckbehälter und die wichtigsten Hilfseinrichtungen, bei Druckwasserreaktoren den gesamten Primärkreislauf. Er besteht meist aus ca. 4 cm dickem Stahl oder aus (Spann-)Beton. Seine Aufgabe ist es, die aus diesen Anlagen ausgetretene Radioaktivität zurückzuhalten. Deshalb muss er gasdicht und druckfest sein.
Siedewasserreaktor Im Reaktordruckbehälter entsteht durch die Kettenreaktion Wärme, die auf das Kühlwasser übertragen wird. Dadurch entstehen im Inneren des Reaktordruckbehälters etwa 280 °C und 70 Atmosphären Druck. Das Kühlwasser verdampft im oberen Teil des Reaktordruckbehälters. Der Dampf wird aus dem Sicherheitsbehälter heraus in die Maschinenhalle geleitet, wo er eine Turbine antreibt. Anschließend wird er abgekühlt und als Wasser wieder dem Reaktor zugeführt Steuerstab Ein Steuerstab enthält Cadmium, Bor und/oder Hafnium. Diese Stoffe absorbieren Neutronen. Deshalb kann eine Kettenreaktion geregelt werden, indem man die Steuerstäbe mehr oder weniger tief in den Bereich des Reaktors einfährt, in dem die Kettenreaktion stattfindet.
 

Uran ist ein Schwermetall, das heute meist im Tagebau gewonnen wird. Um das Uran für ein großes deutsches Kernkraftwerk zu erhalten, muss jedes Jahr rund eine halbe Million Tonnen radioaktives Material abgebaut werden. – Uran kommt in mehreren Arten ( Isotope) vor. Für den Betrieb von AKW ist das sog. Uran 235 nötig, das im Natururan nur zu 0,7% vorkommt. Das weit häufigere Uran 238 (99,3 % des Natururans) ist für die Kettenreaktion unbrauchbar. Es wird aber in panzerbrechenden Waffen eingesetzt.


Wasserstoffexplosion siehe Kernschmelze


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Konstruktionsbedingte Mängel in den AKW Biblis, Philippsburg und Neckarwestheim
(zusammengestellt von Prof. Buchner)


Vorbemerkung: Die Störfälle in diesen AKW werden hier nicht aufgelistet, weil sie leicht bei Wikipedia unter den Stichworten AKW Biblis, AKW Phillipsburg und AKW Neckarwestheim gefunden werden können.

Biblis


· Biblis A: Reaktorgebäude ( Dossier) ist mit einer Wandstärke von 60 cm zu schwach gebaut. Es gibt nur Sicherheit beim Absturz kleiner Sportflugzeuge, hält aber einem Terrorangriff oder einem Flugzeugabsturz nicht stand. Nach heutigem Standard wären 180 cm nötig. Biblis B hat eine Wandstärke von 80 cm.


· Biblis A und B: Die Sicherheitsbehälter (Dossier) sind zu klein und wenig stabil. Bei einem Störfall kann Radioaktivität entweichen. Im Jahr 1997 führte die OECD einen Internationalen Vergleich der Sicherheit von AKW durch. Es wurden die AKW in Schweden (Ringhals), Großbritannien (Size well B), Japan (Japan 1100), Niederlande (Borssele), Schweiz (Beznau), USA (Surry, Zion, Robinson, Maine Yankee) und Biblis B verglichen. Lediglich ein inzwischen stillgelegtes USAtomkraftwerk (Maine Yankee) war schlechter als Biblis B. Der Sicherheitsbehälter hält dem hohen Druck bei einer Wasserstoffexplosion ( Dossier) von 11,7 bar nicht stand, er verträgt nur max. 8 bar. Die Notstromversorgung einiger deutscher AKW ist nicht sicher genug. Als am 8. 2. 2004 der Reaktor Biblis B wegen eines Unwetters vom Netz genommen werden musste, versagten 5 Notstromsysteme. Nur die Notstromdiesel funktionieren – aber auch hier ist die Redundanz ungenügend (2 von 4).


· Nach einer Schnellabschaltung herrscht noch hoher Druck im AKW (etwa 160 Atmosphären, Dossier, Druckwasserreaktor). Zur Nachkühlung (Dossier, Abschalten) muss dem Reaktor Wasser unter diesem Druck zugeführt werden. Dazu haben Biblis A und B nur je 4 Druckspeicher; neuere AKW verfügen über 8. So ist nicht sichergestellt, dass der Reaktorkern zuverlässig geflutet werden kann.


· Im Jahr 2003 hat IPPNW (Ärzte gegen Atomkrieg und in sozialer Verantwortung) 42 Auslegungsdefizite von Biblis B festgestellt. Nur ein Teil davon ist bis jetzt behoben. Biblis ist nur für schwache Erdbeben der Intensität VIII mit maximalen Beschleunigungen von 1,5 m/s² ausgelegt. Tatsächlich sind aber im geologisch aktiven Rheingraben Beschleunigungen von 3 m/s² und mehr zu erwarten. Damit entspricht Biblis nicht einmal der Kerntechnischen Anleitung KTA 2201. Das AKW Mülheim- Kärlich wurde nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts wegen genau dieser mangelnden Sicherheit gegen Erdbeben stillgelegt.
Philippsburg


· Philippsburg 1: Das Reaktorgebäude ( Dossier) ist zu schwach gebaut. Es gibt Sicherheit beim Absturz kleiner Sportflugzeuge, hält aber einem Terrorangriff oder einem Flugzeugabsturz nicht stand. Laut Gutachten der Gesellschaft für Reaktorsicherheit von 2002: Wird das Dach des Reaktorgebäudes von Wrackteilen eines Flugzeugs getroffen, und kommt es zu einem anschließenden Treibstoffbrand, so gibt es eine „erhebliche Freisetzung (von Radioaktivität) aus dem Brennelementebecken“, Gutachten von Prof. Wolfgang Kromp (Wien): Die Reaktoren der Baulinie 69, zu der auch Philippsburg1 gehört, haben Reaktordruckgefäße ( Dossier), die nur 177 N/mm² aushalten, aber nach der Auslegung 320 N/mm² standhalten müssten, um Störfälle zu beherrschen.


· Gutachten des Wiener Instituts für Sicherheits- und Risikowissenschaften vom Oktober 2010: Im Reaktordruckbehälter der Reaktoren der Baulinie 69, zu denen auch Philippsburg 1 gehört, besteht Gefahr von Ermüdungsrissen, die nicht rechtzeitig erkannt werden können.


· Philippsburg 1 ist ein Siedewasserreaktor (Dossier). Dieser Kraftwerkstyp gibt mehr Radioaktivität in die Umgebung ab als Druckwasserreaktoren. Wegen der langen Rohre für das radioaktive Kühlwasser ist er auch anfälliger für Einwirkungen von außen z.B. durch Terrorangriffe. Bei diesem Reaktortyp hat man zwei wichtige Probleme immer noch nicht im Griff: Die Schweißnähte der großen Rohre, die für die Kühlung des Reaktors unerlässlich sind, werden durch den Betrieb spröde und bekommen Risse. Außerdem beherrscht man die Produktion von Wasserstoff nicht. Er hat bereits mehrmals zu Explosionen im nuklearen Bereich deutscher Siedewasserreaktoren geführt, zuletzt 2001 in Brunsbüttel unmittelbar am Reaktordruckgefäß, wobei eine Rohrleitung total zerfetzt wurde.


Neckarwestheim Neckarwestheim 1: Das Reaktorgebäude (Dossier) ist zu schwach gebaut. Es gibt Sicherheit beim Absturz kleiner Sportflugzeuge, hält aber einem Terrorangriff
oder einem Flugzeugabsturz nicht stand


· Neckarwestheim 1: Die Sicherheitsbehälter (Dossier) sind zu klein und wenig stabil. Bei einem Störfall kann Radioaktivität entweichen.


· Neckarwestheim 1 ist eine der wenigen Anlagen mit nur 3 statt 4 Hauptkühlmittelschleifen (die in je einem Dampferzeuger (Dossier Druckwasserreaktor) die Wärme aus dem Reaktor abführen).


· Unter Neckarwestheim sinkt der Boden weg: 1995 senkte sich der Kühlturm von Neckarwestheim um 14 cm ab. 2002 entstand in nur 4,5 km Abstand vom AKW ohne Vorwarnung ein 18 m tiefes Loch. 2009 wurden neue Hohlräume nachgewiesen.


· Vor 4 Jahren hat die Betreiberfirma EnBW selbst bei der Atomaufsicht eine Liste notwendiger Nachrüstungen für Neckarwestheim 1 eingereicht. Nach der Laufzeitverlängerung, die an keine Auflagen gebunden ist, sind diese Nachrüstungen plötzlich nicht mehr nötig.

 
1.3 EURATOM-Petition der ÖDP


Die ÖDP hat eine Petition auf den Weg gebracht, die als Ziel den Austritt Deutschlands aus dem EURATOM-Vertrag formuliert. Das Formular für die Petition ist abrufbar unter dieser Adresse. (Die Petition ist abgeschlossen)
 
Im Folgenden ein Aufruf des Bundesvorsitzenden der ÖDP, Sebastian Frankenberger, mit der Bitte, die Petition tatkräftig zu unterstützen.
Hallo zusammen,
die EURATOM-Petition ist online.

Bitte jetzt sofort kräftig Werbung machen. V.a. in Facebook in alle Gruppe (nicht nur ÖDP) die mit Atomkraft zu tun haben. Per Post und Fax habe ich bereits über 2500 Unterschriften erhalten. Jetzt muss es losgehen.
Gruß
Sebastian
Schicken Sie bitte die ausgefüllten Listen an:
Sebastian Frankenberger
Bundesvorsitzender der ÖDP
Milchgasse 3  D-94032 Passau  Tel.: +49 851 98908 44
Fax: +49 851 98908 45  Mobil: +49 170 9323103
Email: sebastian.frankenberger@oedp.de

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